Der Vater
 

 

Nachdem seine Frau jung gestorben ist und den Pfarrer Patrick Brontë mit 6 kleinen Kindern zurücklässt, widmet er sich zunächst selbst stark der Kindererziehung und -bildung. Die Brontë-Kinder lernen alle früh lesen und schreiben und haben - entgegen der üblichen Sitten - Zugang zu allen Büchern und Tageszeitungen, die es im Pfarrhaus gibt, und das sind aufgrund der breiten Interessen Patrick Brontës recht viele.

6 kleine Brontës auf der Heide, Holzschnitt von Joan Hassall
von links nach rechts: Charlotte, Emily, Elisabeth, Branwell, Maria, Anne

Patrick Brontë selbst ist übrigens, was seine eigene Bildung angeht, ein Autodidakt.

Patrick stammte aus Irland, war das älteste von zehn Kindern eines protestantischen Bauern namens Prunty und seiner katholischen Ehefrau Eleonor McClory, die bei der Hochzeit zum Glauben ihres Mannes übertrat. Schon früh ging Patrick bei einem Grobschmied, später bei einem Weber in die Lehre. Angeblich soll er sich selbst Lesen und Schreiben beigebracht haben und erlangte darin soviel Geschick, dass er mit 16 Jahren in der Dorfschule als Lehrer unterrichtete. Dort fiel er dem Pfarrer auf, der Patrick zum Hauslehrer seiner Kinder machte. Der Pfarrer erwirkte, dass der begabte Patrick ein Stipendium erhielt und mit 25 Jahren auf das St. Johns College nach Cambridge gehen konnte.

Es gibt eine Reihen von Beschreibungen, die Patrick Brontë als einen außergewöhnlichen Typen schildern.

Als junger Mann soll er recht gut aussehend, lustig, geistreich und charmant gewesen sein.

Als Patrick älter ist, legt er sich scheint's verschiedene Ticks, Angewohnheiten und Schrullen zu.

Die Freundin Charlottes, Ellen Nussey, die die Familie in 1833 besuchte, beschreibt ihn folgendermaßen:

"Schon zu dieser Zeit erschien mir Mr. Brontë vom Aussehen her sehr ehrwürdig (Brontë war 56 Jahre), mit seinem schneeweißen Haar und dem gepuderten Rockkragen. Seine Art und Sprechweise hatten den Anflug von erlesener Höflichkeit ... seine weiße Krawatte war damals noch nicht so bemerkenswert wie in späteren Jahren. Er hatte die Gewohnheit, diese Krawatte selbst zu wickeln. Wir waren nie Zeugen dieses Vorgangs, aber wir mussten die weiße Seide, die er dafür brauchte, säumen. Charlotte sagte, dies sei die einzige Extravaganz, die sich ihr Vater erlaube - er schnitt dafür viele Yards weißer Seide zurecht, und so, wie Dr. Joseph Woolfe, der berühmte Entdecker, auf einer Reise jeden Tag ein frisches Hemd anlegte, ohne das getragene auszuziehen, so gewann Mr. Brontës Krawatte jeden Tag an Material und Umfang, bis schließlich sein halber Kopf darin eingewickelt war. Zweifellos hatte seine Anfälligkeit für Bronchitis dieses Krawattenwachstum hervorgebracht."

Pfarrer Patrick Brontë im Alter

Die geistige Haltung des Pastors Brontë gegenüber seinen Kindern ist großzügig, liberal und pädagogisch unorthodox. Schon früh fallen ihm die Begabungen seiner Sprösslinge auf, und er versucht, alle Interessen seiner Kinder zu fördern.

Nicht nur das Pfarrhaus verfügt über eine ansehnliche Bibliothek. Auch in der nächstgrößeren Stadt Keighly gibt es zu der Zeit gute Leihbüchereien. Und lange Zeit scheinen dem Vater die Unterrichtslektionen in Lesen, Schreiben, Griechisch, Latein, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, die er selbst den Kindern angedeihen lassen kann, für ihre Erziehung zu genügen.

 

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